Der erste Buchtitel über inklusive Kulturpolitik
Der erste Buchtitel über inklusive Kulturpolitik  

Über professionelle Kunst von Menschen mit Behinderung und ganzheitliche Barrierefreiheit im Kulturbetrieb
 

Mit Beiträgen von
15 renommierten Expert*innen aus Kunst, Kulturpolitik, Gesellschaft und Wissenschaft

 

Interviews mit Künstlern mit Behinderung

Porträtfoto von Ulla Schmidt © Foto: Laurence Chaperon, 2016

Mit einem Geleitwort
von Ulla Schmidt,
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

 

Aktuelles / Tipps

„Inklusion in Kultur und Medien“ – Neues Dossier des Deutschen Kulturrats

Am 26. Oktober 2018 hat der Deutsche Kulturrat ein umfangreiches Dossier „Inklusion in Kultur und Medien“ veröffentlicht. Den Leitartikel des Dossiers verfasste Dr. Jakob Johannes Koch, Herausgeber des Buchs „Inklusive Kulturpolitik“. 

 

Seinen Artikel sowie weitere Auszüge aus dem Dossier finden Sie nachstehend sowohl im Original-Layout als auch barrierefrei für Screenreader.

Autonome Akteure
Artikel von Jakob Johannes Koch.pdf
PDF-Dokument [346.6 KB]
Qualität
Artikel von Olaf Zimmermann.pdf
PDF-Dokument [245.7 KB]
Bottom-up
Artikel von Max Fuchs.pdf
PDF-Dokument [413.1 KB]
Ausnahme oder Praxis
Artikel von Susanne Keuchel.pdf
PDF-Dokument [237.5 KB]
Quoten beschleunigen Veränderung
Artikel von Bea Gellhorn.pdf
PDF-Dokument [221.3 KB]

Das gesamte Dossier steht auf der Website des Kulturrates als PDF zum Download bereit:https://www.kulturrat.de/publikationen/inklusion-in-kultur-und-medien/

 

Als Print gibt es das Dossier im Buchhandel unter ISBN-13: 978-3947308149

"Inklusive Kulturpolitik“ auch Thema im NDR Hörfunk 

 

Ausgehend von einigen Interviews mit Künstlern und Künstlerinnen mit Behinderung und dem Buch „Inklusive Kulturpolitik“ hat der Norddeutsche Rundfunk am 21. Oktober 2018 den Hörfunk-Beitrag „Im Rampenlicht mit Handicap“ ausgestrahlt.

Ausführlich zu Wort kommen in der Sendung auf NDR-Info „Forum am Sonntag“ Künstler*innen wie den Schauspieler Sebastian Urbanski, die Schauspielerin Jana Zöll und den Hornisten Felix Klieser.
 

Der Herausgeber des Buchs „Inklusive Kulturpolitik“, Dr. Jakob Johannes Koch, nimmt im Verlauf der Sendung mehrfach kritisch zur unzureichenden Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention Stellung. Wörtlich sagt er im NDR: „Ich habe den Eindruck, dass in den Köpfen vieler kulturpolitisch Verantwortlicher die Einstellung herrscht: ‚Papier ist geduldig‘. Nein! Dieses Papier ist ungeduldig! Und es harrt darauf, umgesetzt zu werden“. „Es liegt an den Barrieren im Kopf. Da muss ein Bewusstseinswandel stattfinden“, fordert Koch. „Man muss bereit sein, herkömmliche Schemata über Bord zu werfen. […] Man muss sich verabschieden davon, dass es in der Kunst immer bestimmte Leitkulturen und besonders maßgebliche Stile gibt!“

Dennoch zeigt sich Koch am Ende der Sendung optimistisch: „Ich freue mich, dass wir jetzt in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts eine Vielfalt künstlerischer Ausdrucksweisen antreffen, wie es sie – glaube ich – noch nie zuvor in der Kunstgeschichte und in der Menschheitsgeschichte gegeben hat. Das ist eine Riesenchance!“
 

Die komplette Sendung gibt es zum Nachhören.

Abbildung Porträtfoto von Günter Schoßböck Günter Schoßböck, Bildrechte: DZB 2015

Die Hörversion ab jetzt in der Deutschen Zentralbücherei 
 

Soeben ist das Buch „Inklusive Kulturpolitik“ als Hörbuch bei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) erschienen. Das Buch wurde vom Schauspieler und Rezitator Günter Schoßböck, Jahrgang 1959, komplett eingesprochen und hat im DAISY-Hörbuchformat eine Spieldauer von 11 Stunden und 28 Minuten. 

 

Blinde und Menschen mit Sehbehinderung können das Buch unter der Hörbuchnummer 40871 bei der DZB anfordern. Im Online-Katalog der DZB findet sich das Hörbuch hier.

Die Bestellung im CD-Format oder der MP3-Download erfolgt über das persönliche Nutzerkonto bei der Deutschen Zentralbücherei. Wer noch nicht über ein solches verfügt, kann über die E-Mail-Adresse hoerbuecherei@dzb.de oder telefonisch 0341 7113-116 bzw. -118 dieses beantragen.


 

"Inklusive Kulturpolitik" bald auch als Hörversion

 

Laut Mitteilung des Direktors der Deutsches Zentralbücherei für Blinde (DZB) zu Leipzig Prof. Dr. Thomas Kahlisch wird voraussichtlich ab Januar 2018 für alle blinden und sehbehinderten Leser*innen eine DAISY-Fassung des Buches zur Verfügung stehen. Mit der Aufsprache des Buches in den Hörbuchstudios der DZB wird derzeit begonnen.

 

ARTE greift „Inklusive Kulturpolitik“ auf

 

ARTE hat in seinem Sendeformat ARTE JOURNAL die durch das Buch „Inklusive Kulturpolitik“ angestoßene und vom Deutschen Kulturrat weiter publik gemachte Diskussion um die Teilhabechancen von Menschen mit Behinderung am Kultursektor aufgegriffen: Der deutsch-französische Sender hat dazu am 14. Dezember 2017 einen dreiminütigen Kurzfilm ausgestrahlt. Neben der Schauspielerin Anne-Sophie Mosch aus Berlin kommt darin auch der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Olaf Zimmerman zu Wort.
 

In der Mini-Reportage wiederholt Zimmermann eindringlich seinen bereits in dem Buch geäußerten Appell, dass künstlerisch begabte Menschen mit Behinderung die gleichen Zugangschancen an Ausbildungs- und Hochschuleinrichtungen für musisch-ästhetische Studiengänge erhalten müssen wie Nicht-Behinderte.
 

Die Mini-Reportage kann in der Mediathek von ARTE eingesehen werden. 

„Kunst und Kultur sollten als Menschenrecht wahrgenommen werden und allen gleichermaßen offen stehen."

Fünf Fragen an Dr. Jakob Johannes Koch, Herausgeber des Buches „Inklusive Kulturpolitik" erschienen 17.11.2017 auf www.paritaet-berlin.de

Porträtfoto von Dr. Jakob Johannes Koch Foto privat

Dr. Jakob Johannes Koch wurde 1969 geboren. Er hat Musik (u. a. Gesang bei Dietrich Fischer-Dieskau) und Theologie studiert. Seinen Doktortitel hat er mit einer Forschungsarbeit zu einem Thema der Kirchenmusik erworben. Seit 2000 ist er Kulturreferent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn.

 

Herr Dr. Koch, was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch herauszugeben – und warum gerade jetzt?
 

Berufsbedingt wimmelt es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis von Kulturfans, von Künstlerinnen und Künstlern. Einige von ihnen haben Behinderungen und wenn ich mit ihnen gemeinsam Konzerte, Theateraufführungen, Kinos oder Ausstellungen besuche, müssen wir immer wieder erleben, dass die Freunde mit Behinderungen dort auf teils unüberwindliche Barrieren stoßen oder dass sie sogar unerwünscht sind. Ähnliche Erfahrungen machen auch die aktiven Kunst- und Kulturschaffenden mit Behinderung.
 

Da frage ich mich: Warum nur tut sich ausgerechnet der Kulturbetrieb, der doch für sich reklamiert, Motor und Seismograf für soziale Sensibilität zu sein, so schwer mit der Inklusion? Warum steht Inklusion heute - acht Jahre nach Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention – nicht in jedem kulturpolitischen Forderungskatalog?
 

Der Beginn einer neuen Legislaturperiode scheint mir der perfekte Zeitpunkt für einen Appell an alle Kulturpolitiker und alle Verantwortlichen der Kulturinstitutionen zu sein: Überwindet eure Ängste, Vorurteile und Lethargie im Umgang mit Menschen mit Behinderung! Setzt endlich die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in konkrete Maßnahmen ganzheitlicher Barrierefreiheit um, denn die UN-BRK ist keine Empfehlung, sondern sie ist verbindliches Gesetz!  
 

Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen: Wie inklusiv ist denn unsere Kulturlandschaft in Deutschland?
 

Die Autorinnen und Autoren meines Buchs kommen in ihren Analysen übereinstimmend zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Umsetzung der UN-BRK ist allenfalls halbherzig; die Kulturszene rechnet vielfach einfach nicht mit Menschen mit Behinderung!
 

Fragt man zum Beispiel bei einer Hochschule für Musik und Tanz nach dem Thema Inklusion, so erhält man zur Antwort: Wir haben unser Gebäude rollstuhlgerecht umgebaut und wir haben einen Behindertenbeauftragten. Punkt. Und wenn man dann weiter nachbohrt: Wie sieht es denn mit inklusiver Hochschuldidaktik aus? Ist Inklusion verpflichtender Inhalt im Modulhandbuch? Könnte bei Ihnen etwa eine gehörlose Bewerberin Tanz studieren? Dann heißt es: Nein, so einen Aufwand können wir uns nicht leisten, die Studienorganisation ist schon so komplex genug.
 

Wenn Sie jetzt vom Ausbildungssektor in den Berufssektor gehen, zu den Galerien, Künstleragenturen und Kulturträgern, sieht es leider nicht besser aus. Auch die sind oft der Meinung, mit dem Einbau einer Rollstuhlrampe hätten sie die UN-BRK hinlänglich umgesetzt. Da steckt meist kein böser Wille dahinter, gleichwohl eine nicht akzeptable Halbherzigkeit, Gleichgültigkeit und vielfach schlichtes Unwissen.


In dem Buch versammeln Sie die Stimmen von 15 namhaften Expertinnen und Experten. Nach welchen Kriterien haben Sie die Auswahl getroffen – wie relevant war dabei beispielsweise das Kriterium einer Behinderung?
 

Ihre Frage birgt die Antwort schon in sich: Experte ist jemand, der Expertise mitbringt. Wenn Sie ein Buch zu einem sehr speziellen Thema herausgeben, dann kommt es darauf an, dieses Thema aus möglichst vielen unterschiedlichen fachlichen Perspektiven zu beleuchten, um nachher ein facettenreiches Gesamtbild zu erhalten. Beim Thema „Inklusive Kulturpolitik“ sind folgende Expertisen gefragt: soziologische, philosophische, kulturpolitikwissenschaftliche, behindertenpädagogische, rehabilitations- und inklusionswissenschaftliche, aber auch konkrete Lebenserfahrungen von "Expertinnen und Experten in eigener Sache". Leute mit diesen Expertisen findet man natürlich nicht an jeder Straßenecke und als Herausgeber bin ich froh, 15 Autorinnen und Autoren mit derartigen Fachkenntnissen gefunden zu haben.
 

Menschen mit Behinderung definieren sich niemals alleine über ihre Behinderung, vielmehr sagen sie: „Ich bin Künstler und ich habe eine Behinderung“ oder „Ich bin Wissenschaftler und ich habe eine Behinderung“. So ist es zum Beispiel auch bei Prof. Dr. Thomas Noetzel, der für mein Buch den politikwissenschaftlichen Part beigesteuert hat, der aber auch „Experte in eigener Sache“ ist, insofern er nur seinen Kopf und seine Hände bewegen kann und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Dr. Siegfried Saerberg habe ich als brillanten Inklusionswissenschaftler für das Buch verpflichten können und zugleich konnte er seine spezifischen Erfahrungen als Blinder einfließen lassen.
 

Für den Interview-Teil habe ich freilich ausschließlich Menschen mit Behinderungen ausgesucht, denn in diesem Teil des Buchs geht es ja darum, authentische Lebens- und Erfahrungsberichte von Künstlern mit Behinderungen darzustellen. Ich bin dem Schauspieler Dr. Peter Radtke, dem Schriftsteller Axel Brauns und dem Dirigenten Benedikt Lika zu großem Dank verpflichtet, dass sie sich meinen „tiefen-bohrenden“ Interviews gestellt haben!
 

Das Buch ist nicht in leichter Sprache verfasst. Welchen Weg haben Sie gewählt, um den unterschiedlichen Bedürfnissen von Leserinnen und Lesern gerecht zu werden?
 

Inklusion ist ein Thema, um das sich bisher Verlage noch nicht reißen. Insofern bin ich dankbar, mit Butzon & Bercker einen Verlag gefunden zu haben, der zu dem Buchprojekt auf Anhieb rückhaltlos ja gesagt hat.

Um den unterschiedlichen Lese-Bedürfnissen für eine solche erste wissenschaftliche Abhandlung des Themas gerecht zu werden, haben wir jeden Artikel des Buchs mit einem anschließenden Glossar-Angebot versehen: Es handelt sich dabei um eine Sammlung erklärungsbedürftiger Wörter, die Bildungsbarrieren abbauen und ein eindeutiges Verständnis sichern sollen. Berücksichtigt wurden unterschiedliche Zielgruppen: nicht nur Menschen mit einfacherem, nicht akademischem Bildungshintergrund oder mit Leseschwächen, sondern auch Leserinnen und Leser, deren Muttersprache nicht Deutsch ist sowie Interessierte, die sich bisher nicht mit dem vorliegenden Thema beschäftigt haben.
 

Da Butzon & Bercker ein kleines Familienunternehmen ist, sind dort die hohen Kosten einer Übersetzung in leichte Sprache betriebswirtschaftlich nicht vertretbar abzubilden. Schade, dass es dafür noch keine öffentlichen Förderprogramme gibt!
 

Ich habe übrigens bei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde angefragt, ob diese mein Buch als Hörbuch im Format DAISY (ein Hörbuchformat für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung) produzieren will. Die erste Rückmeldung aus Leipzig klingt vielversprechend; ein definitiver Bescheid steht allerdings noch aus. Wir halten Sie gerne über den Fortgang über unsere Webseite www.inklusive-kulturpolitik.de auf dem Laufenden.

Wenn Sie sich etwas wünschen dürfen: Welche gesellschaftliche Wirkung möchten Sie mit dem Buch erreichen?
 

Hier möchte ich mir die Worte meines wunderbaren Interviewpartners ganz am Ende des Buchs, des Dirigenten Benedikt Lika, zu eigen machen (Lika hat Mukopolysaccharidose, eine Behinderung, die u. a. mit Skelettfehlbildungen und Minderwuchs einhergeht): 
„Dass Kunst und Kultur als Menschenrecht wahrgenommen wird und allen gleichermaßen offensteht! Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch – egal, ob er eine Beeinträchtigung hat oder nicht – ein gewisses künstlerisches Potenzial besitzt und dass man dieses künstlerische Potenzial von klein auf kreativ und auf die jeweilige Person zugeschnitten fördern muss und dass die Gesellschaft nicht nur ein Anrecht darauf hat, sondern auch davon profitiert, dieses Potenzial kennenzulernen. Inklusion muss durchgängig in der Biografie verankert werden, vom Kindergarten über die Schulzeit bis hin zum Erwachsenen, weil ich glaube, dass möglichst frühe Sensibilisierung und Kontinuität die Schlüssel zur gelungenen Inklusion sind.“

Eine Hörversion des Interviews finden Sie unter www.paritaet-berlin.de

Inklusive Kulturpolitik als Themenfokus in der aktuellen Ausgabe „Politik & Kultur – Zeitung des Deutschen Kulturrates“ Nr. 06/2017

Mehr Barrierefreiheit in Kunst und Kultur: Menschen mit Behinderung als Künstler und Kulturkonsumenten. Unter dieser Überschrift finden sich fünf sehr empfehlenswerte Perspektiven und Artikel, nachzulesen auf den Seiten 8 bis 10.

 

Jakob Johannes Koch: Zeit für den Inklusions‐Check - Wie inklusiv ist die deutsche Kulturlandschaft?  (barrierefreie Version nachfolgend)

 

Olaf Zimmermann: Not perfect - Bemerkungen über vermeintlich normale und vermeintlich behinderte Künstler


Susanne Keuchel: Ein Spiegel der Gesellschaft - Zukunftsziel »Inklusion« im Kultur- und Medienbetrieb


Max Fuchs: Brauchen wir eine inklusive Kulturpolitik? Ständige Herausforderung für Politik und Praxis


Ulla Schmidt im Gespräch über Inklusion in Kultur und Medien - Eine Bereicherung (barrierefreie Version nachfolgend)

 

Gesamtausgabe Politik & Kultur 06/2017
puk06-17.pdf
PDF-Dokument [7.5 MB]
Zeit für den Inklusionscheck - Barrierefreies PDF-Dokument
Artikel von Jakob Johannes Koch_BARRIERE[...]
PDF-Dokument [32.4 KB]
Ulla Schmidt im Interview - Barrierefreies PDF-Dokument
Interview mit Ulla Schmidt_BARRIEREFREI.[...]
PDF-Dokument [12.9 KB]

"Reichtum durch Diversität entdecken!"

Jakob Johannes Koch im Interview des rbb Hörfunk
 

Mo 11.09.17 09:10 | 06:34 min | Bis 12.09.18 | kulturradio des

                                                                    Rundfunk Berlin-Brandenburg
 

Im Theater und der Oper gibt es Rampen und besondere Plätze für Rollstuhlfahrer*innen, Museen stellen Kunst von psychisch kranken Menschen aus und Theatergruppen wie Rambazamba spielen mit Erfolg für ein nicht-behindertes Publikum. Doch wo fehlt es noch an der Möglichkeit für Teilhabe von behinderten Menschen? Ein Interview mit Jakob Johannes Koch, der gerade ein Buch zur inklusiven Kulturpolitik herausgegeben hat.

Buchvorstellung „Inklusive Kulturpolitik“
am 27. September 2017 in Berlin

Bundestagsvizepräsidentin lobt neues „Handbuch“

 

 

Berlin, 27.09.2017. Gemeinsam mit dem Herausgeber Dr. Jakob Johannes Koch hatte Verena Bentele, die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, dazu eingeladen, das neue Buch „Inklusive Kulturpolitik“ kennenzulernen.

 

Zu der öffentlichen Buchvorstellung im „Kleisthaus“, dem Dienstsitz der Behindertenbeauftragten in Berlin Mitte, kamen am 27. September 2017 knapp 100 Interessierte mit und ohne Behinderungen, um sich über Entstehung, Inhalte und Ziele des Buchs zu informieren.

 

Gastgeberin Verena Bentele: „…allen Menschen die gleichen Zugangs- und Partizipationschancen“

Verena Bentele als Gastgeberin zeigte sich bei Ihrer Eröffnungsansprache froh, mit der Buchvorstellung einen neuen, nämlich kulturpolitischen Akzent in der Veranstaltungsreihe „Kultur im Kleisthaus“ setzen zu können: Es sei wichtig, so Bentele, Kultur nicht nur von ihrem Unterhaltungs- und Bildungswert her aufzufassen, sondern sie auch als einen Wert in sich zu begreifen, der das Leben reicher und bunter mache. Dies setze freilich voraus, dass in Bezug auf Nutzung und Produktion von Kunst alle Menschen die gleichen Zugangs- und Partizipationschancen hätten, eben auch Menschen mit Behinderungen. Insofern sich die Macher des neuen Buchs sorgsam begründet für diese Chancengleichheit einsetzten, verdienten sie großen Dank.

Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt: „…Handbuch für alle Kulturpolitiker“

Die Schirmherrin des Buchs, Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt, bestätigte in ihrem Grußwort, dass das Anliegen der Inklusion von Menschen mit Behinderungen im Kulturbetrieb bislang nur stiefmütterlich behandelt worden sei und von einer Gleichberechtigung noch keine Rede sein könne. Insofern sei das Buch ein geglückter, dringend notwendiger Baustein inklusiver Kulturpolitik, der als Initiative der Aufklärung und der konkreten Handlungsanregung große Aufmerksamkeit verdiene. Vizepräsidentin Schmidt empfahl den neuen Sammelband wörtlich als „Handbuch für alle Kulturpolitiker“. Schmidt dankte dem Herausgeber und den Autoren dafür, dass sie mit dem neuen Buch für die Rechte von Menschen mit Behinderung in der Kulturlandschaft eintreten und wünschte dem Buch große Resonanz bei den kulturpolitisch Verantwortlichen.

 

Dr. Berthold Weckmann bestätigte in seiner Grußansprache als Programmchef des Verlags Butzon und Bercker, dass das 1870 gegründete Familienunternehmen mit dem Verlegen des neuen Buchs in besonderer Weise den Wertediskurs in der Gesellschaft mitbefördern wolle. Ein Bewusstsein für das, was kulturpolitisch notwendig sei, erlange man nicht im Elfenbeinturm, sondern nur im offenen, auch streitbaren Diskurs mit den Betroffenen, mit den Menschen vor Ort, mit den wichtigen Playern der Inklusion und der Kultur.

Herausgeber Dr. Jakob Johannes Koch: „…inklusive Veränderungsdynamik freisetzen“

Im Anschluss an die Grußworte führte der Herausgeber Dr. Jakob Johannes Koch in das Buch ein. Das Buch wolle Inklusionskonzepte nicht „vorkauen“, sondern vielmehr eine eigenständige „Inklusionskompetenz“ bei Kulturverantwortlichen in Politik und Institutionen stimulieren. In diesem Sinne wollen die „Gretchenfragen“ des Buchs konstruktiv provozieren und „neue Handlungshorizonte eröffnen“: Warum nur tut sich ausgerechnet der hochkulturelle Kulturbetrieb – der doch für sich reklamiert, Motor und Seismograf für soziale Sensibilität zu sein – so schwer mit der Inklusion? Warum steht Inklusion nicht in jedem kulturpolitischen Forderungskatalog? Steckt hinter der (allerdings nicht laut geäußerten) Befürchtung eines „Niveauverlusts“ die Angst, die eigenen Komfortzonen zu verlassen? Das Buch befragt den deutschen Kulturbetrieb dahingehend, ob er Kunst- und Kulturschaffende mit Handicaps benachteiligt oder ausschließt und welcher Unterstützungsbedarf kulturpolitisch konkret notwendig ist. Koch dankte den im Buch vertretenen 15 Expert*innen aus Kulturpolitikwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Behindertenpädagogik für ihre lebensnahen Lösungsperspektiven und zeigte sich hoffnungsvoll, dass das Buch eine inklusive „Veränderungsdynamik freisetzen“ könne.

Podiant Olaf Zimmermann: „…Inklusive Kulturpolitik nicht gegen Autonomie und Professionalität nicht-behinderter Künstler ausspielen“

(links neben Zimmermann: Moderator Stefan Gehrke, rechts: Verena Bentele, Dr. Siegfried Saerberg, Prof. Dr. Irmgard Merkt und Bea Gellhorn)

Die anschließende Podiumsdiskussion griff die zentrale Fragestellung des Buchs auf, wie die UN-Behindertenrechtskonvention im Kultursektor wirksam umzusetzen sei. Dieser Frage widmeten sich – moderiert von Stefan Gehrke (Berlin) – neben der Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele vier Autor*innen des Buchs: der Inklusionswissenschaftler Dr. Siegfried Saerberg (Wiehl), der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Olaf Zimmermann (Berlin), die Rehabilitationswissenschaftlerin Prof. Irmgard Merkt (Dortmund) und die 1. Vorsitzende des Vereins „Insider Art“ Bea Gellhorn (Berlin).

 

Alle Podiant*innen forderten einhellig, dass die Anforderungen, die Lebenswirklichkeiten und die genuinen Rechte von Menschen mit Behinderungen im Kultursektor bei Strukturentscheidungen, bei finanziellen Mittelzuweisungen und nicht zuletzt auch bei der Besetzung von Leitungsfunktionen um ein vielfaches stärker einbezogen werden müssten als dies bisher der Fall sei. Vielleicht helfe hier sogar eine Quote, wenn sich kein freiwilliges Engagement abzeichne.

Podiant Prof. Dr. Irmgard Merkt: „Menschen mit Behinderung uneingeschränkte Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen“

Kontrovers wurde das Podium bei der Frage, in welchem Rahmen Menschen mit schwerstmehrfachen Behinderungen Zugang zum öffentlichen Kultursektor haben können, wenn deren Verhalten mit unkoordinierten Interventionen wie etwa lauten akustischen Äußerungen während der Darbietung verbunden ist. Um der Professionalität der Hochkultur willen müssten auch Menschen mit Behinderung erfahren, dass es für sie – wie für jeden Menschen – Grenzen gibt, forderte ein Podiant. Nein, auch Menschen mit schwerstmehrfachen Behinderungen stehe uneingeschränkte Teilhabe und Selbstbestimmung zu und damit das Recht, kulturelle Teilhabe zu entwickeln, setzten andere Podianten dagegen.

Die beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen

Die Podiumsdiskussion mündete beim Thema „Künstler*innen mit Behinderungen“ in einen klaren Konsens: Es müssten endlich wirksame Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass Künstler*innen mit Behinderungen sich selbständig machen können und dass sie Startbedingungen erhielten, die ihnen gerechte und realistische Teilhabe ermögliche. Für Künstler*innen mit Behinderungen bedürfe es ausgleichender Unterstützungsangebote für gleiche Wettbewerbschancen, ohne dass dies zu einem herablassenden „Behinderten-Bonus“ geriete. Vielmehr bedürfe es gerade auch in der Ausbildung junger Künstler*innen konsequent inklusiv konzipierter Studiengänge und Überarbeitung von Ausschreibungsmodalitäten.

Verena Bentele: „Den Machern des Buchs großen Dank.“ 

An die Buchvorstellung schloss sich ein kulinarisches Get-together an. Fast alle Besucher*innen nutzten dies, um die Themen des Buchs im informellen Rahmen lebhaft weiterzudiskutieren.

 

® Inklusive Kulturpolitik. Menschen mit Behinderung in Kunst und Kultur. Analysen – Kriterien – Perspektiven. Hg. Jakob Johannes Koch, Verlag Butzon & Bercker, SW-Abbildungen, €  25,00 | ISBN 978-3-7666-2406-2

ACHTUNG: Kostenlose Lieferung bei Bestellung über diese Website (Formular mit Maske zum Ausfüllen)

 

FÜR EINE INKLUSIVE GESELLSCHAFT 

DIVERSITÄT UND DAS MUSEUM VON MORGEN

 

Sonntag, 3. bis Montag, 4.12.2017

 

Fachtagung inder Kunst- und Ausstellungshalle
der Bunderepublik Deutschland in Bonn

 

Inklusion in Museen wird zwar weithin versprochen, bislang aber kaum eingelöst. Laut UN-Behindertenrechtskonvention und den davon ausgehenden Aktionsplänen müssen Museen und Ausstellungen weitgehend barrierefrei und inklusiv gestaltet werden. Doch die Realität sieht anders aus. Wie kann kulturelle Teilhabe im Sinne eines umfassenden Inklusionsbegriffs nachhaltig gelingen? Welche Rolle kann und will das Museum eigentlich in einer diversen Gesellschaft einnehmen?

 

Die Fachtagung knüpft an die Ergebnisse des Förderprojekts Pilot Inklusion (2015–2017) an, in dem sechs Partner mit jeweils unterschiedlicher Ausgangssituation inklusive Vermittlungskonzepte erarbeiteten. Ausgehend von einem barrierefreien Ausstellungszugang für Menschen mit Beeinträchtigungen ging es dabei grundsätzlich um den Mehrwert von Inklusion für alle Besucher*innen.

 

Die Tagung wird mit zwei Key Notes eröffnet, die sich mit Grundfragen der sozialen Inklusion und des „Andersseins“ auseinandersetzen. Im Fokus steht dann der interdisziplinäre Austausch von Vermittler*innen, Gestalter*innen, Architekt*innen und weiteren Expert*innen in offenen Panels: Wie gestalten sich Prozesse bei der Implementierung von Inklusion? Welche Gelingensbedingungen können definiert werden? Am Montag beleuchten zwei Key Notes aus externer Perspektive das Schnittfeld der diversen Gesellschaft und der Institution Museum. Die abschließende Podiumsdiskussion fragt nach weiteren Schritten und Herausforderungen auf dem Weg zum „Museum von morgen“.

 

Zu detaillierten Informationen und dem Tagungsprogramm

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Vielfalt ist Stärke und gesellschaftlicher Auftrag

 

Netzwerktreffen "Kultur und Inklusion" richtet Blick auf Menschen mit Behinderung in Film und Fernsehen

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Am 5. und 6. Oktober traf sich erneut das Netzwerk "Kultur und Inklusion" an der Akademie der Kulturellen Bildung. Expert*innen aus Medien, Verbänden und Kultur untersuchten die Situation und Darstellung von Menschen mit Behinderung in Film und Fernsehen.
 
Nach einem Vortrag zum „Blick auf Menschen mit Beeinträchtigungen“ sprachen Schauspielerin Jana Zöll mit Philipp Peters (lebenshilfe nrw), Künstler und Kulturmanager Alfred Rauch sowie Dr. Petra-Andelka Anders (TU Dortmund) über die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung in der Medienlandschaft.
 
Drei Workshops beleuchteten praxisnahe Themen unter Gesichtspunkten von Teilhabe und Inklusion, darunter Produktions- und Besetzungsentscheidungen, die Rollengestaltung für Menschen mit Beeinträchtigungen in den Medien sowie die Selbstdarstellung und Betrachtung durch Presse und Kritik. Zum Abschluss des Treffens diskutierten Vertreter*innen und Entscheider*innen von WDR und ZDF und der Filmförderungsanstalt auf dem Podium über Barrieren und Teilhabe für Künstler*innen mit Beeinträchtigung in Film und Fernsehen.
 
„Vielfalt ist Stärke und gesellschaftlicher Auftrag. Sowohl in Programminhalten als auch in Personalentscheidungen. Nicht die Defizite, sondern die Ressourcen von Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, nutzt allen“, hielt Podiumsgast Jürgen Kleinknecht, Hauptredakteur Neue Medien beim ZDF, fest.
 
Das Podiumsgespräch wurde vom WDR 3 Forum mitgeschnitten und wird voraussichtlich Anfang November ausgestrahlt. Die Ergebnisse der Netzwerk-Tagung werden zudem dokumentiert und auf www.kultur-und-inklusion.net veröffentlicht.
 
Das bundesweite Dialog-und Fachforum „Netzwerk Kultur und Inklusion“ ist eine Maßnahme der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fördert. Trägerin des Netzwerks ist die Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW in Kooperation mit dem Verein InTakt e.V.

Einladung zur Buchvorstellung

Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Verena Bentele, und Dr. Jakob Johannes Koch, Herausgeber von „Inklusive Kulturpolitik“, laden ein zur


Buchvorstellung mit Diskussion
am Mittwoch, dem 27. September 2017, um 19:00 Uhr,
am Dienstsitz der Beauftragten
Kleisthaus, Mauerstraße 53, 10117 Berlin‐Mitte.

 

 

Programm

Begrüßung durch die Gastgeberin
Verena Bentele
Behindertenbeauftragte der Bundesregierung

Grußwort der Schirmherrin
Ulla Schmidt
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags


Grußwort des Verlags
Dr. Berthold Weckmann
Programmchef Butzon & Bercker


Einführung
Dr. Jakob Johannes Koch

Herausgeber

 


Anschließend ein moderiertes Podiumsgespräch mit

Verena Bentele
Behindertenbeauftragte der Bundesregierung


Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats


Prof. Dr. Irmgard Merkt
Professor em. TU Dortmund


Bea Gellhorn
1. Vorsitzende des Vereins Insider Art e.V.


Dr. Siegfried Saerberg
Lehrbeauftragter mehrerer Hochschulen


Moderation
Stefan Gehrke

 

Danach sind Sie herzlich eingeladen zu einem Get-to-gether mit netten Gesprächen, für interessierten Austausch und weiterführende Diskussionen. Dabei werden Sie versorgt mit Getränken und einem kleinen Imbiss.

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und einen anregenden Abend!

 

 

Kultur öffnet Welten

Die bundesweite Initiative „Kultur öffnet Welten“ bietet denjenigen Kulturschaffenden und Institutionen eine Plattform, für die kulturelle Teilhabe ein grundlegendes Anliegen ist. Gemeint ist damit eine bewusste Planung, Umsetzung und Vermittlung kultureller Angebote für Menschen aller Altersgruppen, unabhängig von ihrer sozialen Lage, einer Beeinträchtigung oder ihrer ethnischen Herkunft. Sie ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und Kommunen, künstlerischen Dachverbänden und AkteurInnen aus der Zivilgesellschaft. 

 

Zur Webseite

Filmporträt über Künstler*innen mit Behinderung

Inklusive Kulturelle Bildung und Kulturarbeit 

Eine Studie des Instituts für Kulturpolitik (IfK) der Kulturpolitischen Gesellschaft im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien 2014, die Förderer und Akteure sowie inklusive Programme und Projekte in Deutschland vorstellt.

 

Zur Studie

Impressionen vom Sommerblut Festival